Trauerkerze
  In Gedanken ein stiller Gruß für Dich von Herzen. 
  Ein Licht für kleine Engel. 

Eltern und ihre verstorbenen Kinder: Das Verlustgefühl über das verlorene Kind bleibt meist ein Leben lang - die Trauer muss nicht so lange dauern. Selbsthilfegruppen und Gedenkgottesdienste können bei der Verarbeitung helfen.

Sandra Mittermair hat ihr Töchterchen Emma vor vier Jahren tot geboren. Die schwächere der eineiigen Zwillingen starb während der Schwangerschaft. Noch drei Wochen trug Sandra Mittermair, die schon Mutter von drei Kindern war, die tote Emma neben der quicklebendigen Madita im Bauch. "Mein Verstand sagte mir, Emma lebt nicht mehr, aber irgendwie befühlte ich immer wieder meinen Bauch, ob sich da nicht doch etwas bewegt neben Madita." Am Ende wurde das Zwillingspärchen per Kaiserschnitt auf die Welt gebracht. Dann setzte die Trauer ein. "Ich hatte zwar Madita, aber es fehlte ein Kind, es waren ja immer zwei." Zu Hause bekam Emma daher einen Platz: ein Stein mit ihrem Namen im Esszimmer, eine Ecke, extra zum Gedenken an Emma, Der Trubel mit den vier Kindern im Alltag, ließ die Trauer in der Familie Mittermair manches Mal untergehen. "Doch wenn mir nach weinen war, weinte ich eben." Irgendwann wurde ihre Trauer in der Familie und im Freundeskreis nicht mehr so richtig verstanden, dann hieß es: "Du hast ja Madita und deine anderen Kinder." Sandra Mittermair unterdrückte zu Hause ihre Trauer: "Ich wollte mich nicht mehr rechtfertigen und immer wieder erklären, warum ich dennoch traurig bin."

Sie suchte Hilfe in der Selbsthilfegruppe "Sternenkinder" in Donaustetten. Ein Flyer in der Ulmer Frauenklinik hat sie darauf gebracht. "Endlich konnte ich meiner Trauer Raum geben, konnte über mein verlorenes Kind sprechen, weinen." Dann hörte sie von Gedenkgottesdiensten für verstorbene Kinder. Etwas, was nur in großen Frauenkliniken angeboten wird, etwa in Günzburg. Sandra Mittermair wünschte sich auch einen solchen Gedenkgottesdienst, in dem ihrem verlorenen Kind gedacht werden würde - und zwar in ihrem Heimatort, in Westerheim. Mit der örtlichen Taufkatechetin und der Gemeindereferentin Maria Opat von der katholischen Seelsorgeeinheit Laichinger Alb organisierte sie 2012 einen ersten solchen Gottesdienst. Einige wenige Betroffene kamen. Ein Jahr später gab es den zweiten Gottesdienst, einige weitere betroffene Eltern kamen - aus Laichingen und von der Selbsthilfegruppe aus Donaustetten.

Die Merklinger Hebamme Katja Böhringer und die evangelische Pfarrerin Annedore Hohensteiner von der Pfarrgemeinde Donnstetten/Westerheim schlossen sich heuer der Initiative von Sandra Mittermair an. Die Hebamme hat nur zu oft erlebt, wie Eltern leiden, wenn ihr Kind gestorben ist - und wie wenig seelische Unterstützung sie bekommen. Annedore Hohensteiner holte die evangelischen Pfarrer Sandra Baier aus Nellingen und Cornelius Küttner aus Merklingen mit ins Boot. Zusammen mit Maria Opath von der katholischen Kirche und Sandra Mittermair kam es dann dieses Jahr zum dritten Gedenkgottesdienst im evangelischen Gemeindezentrum Westerheim. Mit Sternenkerzen auf rotem Samt war für jedes einzelne verstorbene Kind eine ganz besondere Atmosphäre entstanden. Manche Besucher des Vorjahresgottesdienstes haben dieses Mal Angehörige mitgebracht. "Es tut so gut, Zeit ausschließlich für das verlorene Kind zu haben, Zeit, in der dieses Kind ganz im Mittelpunkt steht", meint Sandra Mittermair. Ihre vier Kinder haben seit Emma's Tod ein weiteres Geschwisterchen bekommen. Und immer noch braucht die fünffache Mutter Raum für Gedanken um Emma. "Beim Erzählen erleben wir verwaiste Eltern den Tod unserer Kinder immer wieder von Neuem, einerlei wie lange es her ist. Aber irgendwann, wenn man den richtigen Weg geht, dreht sich die Trauer in ein positives Erinnern und wir können lachen und Zerstreuung suchen ohne schlechtes Gewissen." Immer noch leide insbesondere die ältere Generation an den Folgen ihrer Erziehung, wonach Sternenkinder, also Kinder, die tot auf die Welt kommen, nicht betrauert werden müssten, berichtet Annedore Hohensteiner. "Ich habe Omas erlebt, die beim Tod ihres Enkelkindes von der Trauer um den eigenen Verlust vor vielen Jahrzehnten erst jetzt überwältigt wurden", sagt die Pfarrerin. Für diese verwaisten Eltern und Großeltern seien solche Gedenkgottesdienste ein kirchlicher Schatz. Und ebenso Selbsthilfegruppen. Das hat auch die Hospizgruppe Blaubeuren/Laichingen erkannt. Sie bietet nächstes Jahr erstmals ein Trauercafé für verwaiste Eltern in Laichingen an.

Sandra Mittermair wird an Weihnachten, wie jedes Jahr, ihrer Emma einen kleinen Christbaum ans Grab bringen und am kommenden Sonntag, dem weltweiten Candlelighting Day, eine Kerze für sie ins Küchenfenster stellen. Quelle: swp


Foto: Sabine Graser-Kühnle

Sernenkinder.info  Ein kleiner Engel kam, lächelte und kehrte um...

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